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Im Gespräch: Drogen, suchtkranke Eltern und wie wir die Kinder stärken


Heute bin ich im Gespräch mit Selina Tasdemir, Philipp Gerber, Leiter vom Drogenverein Mannheim e.V. und Thomas Wenz vom Caritas Suchtverband. Die verschiedenen Träger betreuen ein weites Angebot an Hilfs- und Beratungsstrukturen in Mannheim, um Menschen aus der Sucht zu helfen. Dabei wird besonders auf Kinder in Suchtfamilien Augenmerk gelegt, denn gerade hier entscheidet sich früh, welche Perspektiven offen stehen – und welche nicht.

Dabei arbeitet der Drogenverein Mannheim e.V. unter anderem mit einem Patenschaftsmodell, das den Kindern eine ehrenamtliche Familie zur Seite stellt. Durch diese Bindungen sollen Kinder aus Suchtfamilien gestärkt und ihnen gute Entwicklungschancen ermöglicht werden. Hierbei wird eng mit dem Jugendamt und den Trägern der Jugendhilfe zusammengearbeitet. Auch das Thema Suchtkranke und Schwangere würde der Drogenverein gerne intensiver bearbeiten, leider fehlen hierfür passende Räumlichkeiten.

Bei der Caritas läuft seit 2008 das Projekt „Kinder sind kompetent“ (Kisiko), um Kinder aus Suchtfamilien zu stärken. In Gruppenarbeit werden dabei die Stärken und Kompetenzen der Kinder gefördert, um sie widerstandsfähiger zu machen. Das Programm bietet auch eine Erziehungsberatung und Freizeitangebote dreimal im Jahr an. Leider steht das Projekt auf unsicheren finanziellen Füßen. Zwar werden Spenden eingeworben, doch das reicht nicht aus und die Planstelle der Deutschland-Stiftung läuft bereits im September diesen Jahres aus. Caritas hat deswegen einen Förderantrag bei der Stadt Mannheim gestellt und eine Aktionswoche im Februar veranstaltet. Am 9. September findet der Internationale Aktionstag für alkoholgeschädigte Kinder statt, zu dem unterschiedliche Aktionen geplant sind, um die Betroffenen zu erreichen.

Im Juni 2017 wurde eine interdisziplinäre und interministerielle Expert*innengruppe zum Thema Kinder suchtkranker Eltern gegründet. Dabei geht es nicht nur darum, welche Hilfssysteme es braucht, sondern auch darum, die bestehende Strukturen besser miteinander zu vernetzen, um die Betroffenen auch wirklich zu erreichen. Im kommenden Mai wird die Schlussrunde dieser Arbeitsgruppe tagen und einen Überblick geben, der den aktuellen Forschungsstand als auch erste Ansatzpunkte für den Ausbau und die Verbesserung der Beratungs- und Hilfsstrukturen vorstellt.

Gerade im Bereich Kinder psychisch kranker Eltern gibt es bereits ein breites Angebot. Dieses soll in einem Leitfaden zusammengefasst werden, da es bisher keine einheitliche Datenbank der bestehenden Angebote gibt. Leider ist die Bedarfsanalyse in diesen Fällen oft schwierig und die Präventivangebote erreichen die Betroffenen nicht. Umso wichtiger ist es, in Kooperation mit den Eltern ein multimodales Angebotsnetz zu entwickeln. Dabei müssen sich die Angebote auch insbesondere an den Familien und den Communities selbst orientieren und die Zusammenarbeit zwischen den Trägern und den Behörden weiter ausgebaut werden.

Neben den Beratungs- und Hilfsstrukturen ist auch ein anderer Themenkomplex interessant, nämlich den um die Freigabe von Drogen selber. Als LINKE sind wir grundsätzlich für eine Entkriminalisierung von Drogen. Durch die Kriminalisierung werden die Betroffenen in die Illegalität gedrängt, wo sie durch Hilfsstrukturen oft nicht mehr erreicht werden können. Gleichzeitig wollen wir die Hilfsstrukturen ausbauen und finanziell absichern. Gerade bei Cannabis erschließt sich mir nicht, warum Konsument*innen verfolgt werden. Schnell kommt raus, dass das Thema Entkriminalisierung eher kritisch gesehen wird. Auch Psychiatrien würden sich gegen eine Legalisierung stellen, wobei der Gebrauch zu medizinischen Zwecken eher befürwortet wird. Der Cannabiskonsum sei dabei auch das geringere Problem. Schwierig wird es beim sogenannten Mischkonsum, bei dem verschiedene Substanzen konsumiert werden. Hier wiegen die psychischen Erkrankungen am Schwersten. Zudem ergeben sich multiple Problemlagen, oft bedingt durch Armut, Arbeitslosigkeit und Gewalt. Wir sind uns einig, dass wir den Betroffenen jede erdenkliche Hilfe zukommen lassen müssen, um diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen.

Cannabis gehört in meinen Augen nach wie vor legalisiert. Gleichzeitig braucht es aber sehr viel mehr Unterstützung der Hilfsangebote und der entsprechenden Träger. Außerdem erschließt sich mir nicht, warum beispielsweise Tabakwerbung in Deutschland nach wie vor erlaubt ist. Andere Länder haben da bereits deutlich restriktivere Regelungen, warum nicht auch hier?

Ich bedanke mich bei meinen Gesprächpartnerinnen und -partner für dieses tolle und informative Gespräch. Ich nehme – wie so oft – viel mit für meine Arbeit in Berlin!

 


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